Nein, Facebook löscht Deine Browser-Daten nicht (Meta-TechJournalismus #1)

Thema: Facebook Off-Activity

Worum gehts: Facebook veröffentlichte das lang ersehnte Tool zur Löschung der Browser-Daten. Damit sollten die getrackten Daten der User ausserhalb der Facebook-Plattform gelöscht und missliebige Verbindungen zu Websites gekappt werden. Darüber haben viele Medien ausführlich berichtet.

 
Vorgeschichte: Facebook sitzt überall drin. Gemäss des Oxford Internet Instituts in 43% aller Apps des Google Play Stores. Das wichtigste Feature ist das dabei Pixel, das uns verrät und natürlich das bequeme „FB-Login“. Vor einem halben Jahr schrieb ich ein Porträt über den Datenschutzaktivisten Paul-Olivier Dehaye. Er verlangte zwischen 2017 und 2018 Facebook Einsicht in ebenjene Browser-Daten. Facebook antwortete damals: Sie könnten ihm keine Auskunft über jene Daten geben.

 

Diese Daten seien im Hive gespeichert, seine Anfrage sei zu kostspielig. Offenbar wusste das Mark Zuckerberg nicht: Denn er sagte im Tech-Hearing vom 11. April 2018 vor dem Kongress aus, jeder könne diese Daten einsehen und log damit prompt die Öffentlichkeit an (doch vielleicht dachte er das auch wirklich?!).  Paul-Olivier schrieb über seinen Mailwechsel und veröffentlichte einen Beitrag. Derselbe Senator, der Zuckerberg auf das Thema ansprach im Hearing – Richard Blumenthal – las diese Mitschrift und konfrontierte Facebook im Mai 2018 erneut damit. Daraufhin kündigte der Facebook-CEO ein Löschungs-Tool an, wobei er später einräumte, dass dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird (aufgrund des umbequemen Storage im „Hive“).

 
 Meta-Kritik:
-Viele Medien ignorierten diese Vorgeschichte. Das Tool wurde nicht einfach so auf öffentlichem (medialen) Druck eingeführt, sondern aufgrund einer Triage von Forderungen der Senatoren, dem öffentlichen Hearing, und auch des Drängens von Datenschutzaktivisten wie Paul-Olivier, die auf die Herausgabe ihrer Browser-Daten bestanden haben.
– Wir müssen mit den Begriffen aufpassen: Es wird lediglich eine Verbindung gekappt. Was passiert mit den bereits gespeicherten Daten, etwa Kaufhistorien, ist unklar. Jegliche deutschsprachige Medien schrieben „Löschen“ oder von einem Lösch-Tool, zum Beispiel hier und hier. Wer die Newsroom-Meldung von Facebook liest, dem fällt auf: es steht nicht einmal „delete“ im Text. Sondern „Clear“. Es wird lediglich die identifizierende Verknüpfung mit dem FB-Account entfernt.

 

Was mit den bereits gesammelten Daten effektiv passiert, ist noch unklar. Hier müsste man also nochmals nachhaken.

Die Facebook-PR-Strategen müssen ihre helle Freude an diesem falschen Framing haben.

 

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