Crowdsourcing-Aktion: Lasst uns unter #PolitikAds Politik-Kampagnen publik machen!

Die Bundestagswahlen stehen vor der Tür, in der Schweiz stimmen wir bald über die AHV-Reform ab. Die Komitees und Parteien bringen sich in Stellung. Auch auf Social Media ist mit einem digitalen Bombardement von Politbotschaften zu rechnen. Denn Facebook spielt auch in unseren Breitengraden eine immer wichtigere Rolle, sei es als Hort des Newskonsums oder als Werbezone für Parteikampagnen. Erste Werbeanzeigen sind bereits schon sichtbar.

Es ist Zeit, die unsichtbaren massgeschneiderten Big Data-Marktingaktionen der Parteien publik zu machen. Stellen wir die Öffentlichkeit her, die unsere (noch funktionierende) Demokratie verdient! 

Worum geht es

In mehreren Beiträgen und Artikeln habe ich auf die Problematik von Microtargeting, Big Data und Facebook-Marketing im politischen Kontext aufmerksam gemacht. Personalisierte Digitalkampagnen von Kandidaten, Komitees, Verbänden und Parteien behindern die Herausbildung einer Öffentlichkeit und eines politischen Diskurses. Die Personalisierung im politischen Marketing (sichtbar in Form von „dark ads“ auf Facebook und Twitter) bedroht unser politisches System in mehrfacher Hinsicht: Durch 1.) die Intransparenz, 2.) durch den fehlenden medialen Nachvollzug sowie 3.) durch die Produktion von individuellen Wahlversprechen. Ein Schlagabtausch von verschiedenen politischen Standpunkten wird dadurch unmöglich. Weil uns die gemeinsame Informationsgrundlage fehlt. Politische Akteure (Kandidaten, Parteien, Lokalpolitiker) bilden derzeit eine neue und stets wachsende Kundengruppe für Facebook. Die Politik hat erst begonnen, dieses Feld zu beackern. Auch im britischen Wahlkampf haben Tories und Labour massiv in die Social Media-Bewirtschaftung investiert.

Wir müssen daher Öffentlichkeit einfordern, dort wo die Säulen der Demokratie betroffen sind: Bei den Informationen, welche uns Usern von Parteien und Interessensgruppen via Facebook und Twitter vermittelt werden. Nur so können wir verhindern, dass wir noch mehr in politische Parallelwelten abdriften

Was sollen wir also tun?

Solange sich Facebook und die Parteien sowie Komitees nicht in Form eines Kodex verpflichten, ihr Budget, alle Formen der ausgespielten Werbeanzeigen und die anvisierten Zielgruppen (User) zu veröffentlichen, müssen wir den Spiess umdrehen. Mit dem Hashtag #Politikads sind alle Social Media-User aus der Schweiz (für #abst17 und alle anstehenden kantonalen Wahlen) und Deutschland (für die Bundestagswahlen#btw17) und natürlich auch Österreich (Nationalratswahl #nrw17) aufgefordert, eingeblendete Werbeanzeigen zu Wahlen und Abstimmungen auf Facebook und Twitter publik zu machen.

Das Vorgehen

Sieht man ein gesponsertes Posting mit Politik-Bezug (Abstimmung oder Wahlen) soll man einen Screenshot davon anfertigen, dazu am besten auch die Erklärung, weshalb man in die Zielgruppe des Werbekunden gelangt ist. Zu dieser Information gelangt man, indem man bei einer Facebook-Werbeanzeige rechts oben auf den Pfeil klickt (auf Twitter gibt es diese Option leider nicht). Diese Screenshots dann am besten mit dem Hashtag #Politikads vertwittern oder auf Facebook (öffentliche Einstellung) posten.

Und dann?

Der Social Media & Politik-Profi Martin Fuchs ( @wahl_beobachter) und ich werden die Beispiele in einer geeigneten Form zusammentragen. Mir ist bewusst, dass man damit auch seine persönlichen Interessen und Vorlieben kundtut. Natürlich soll niemand bei dieser Aktion mitmachen müssen, der keine Auskünfte über sein privates „Like-Verhalten“ preisgeben möchte.

Ein Beispiel bitte

Damit das ganze Vorhaben etwas greifbarer wird, mache ich gleich einmal den Anfang. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, zum Zielpublikum verschiedener Parteien und Komitees dazuzugehören, habe ich sämtliche politische Fanpages „geliket“.

Folgende Werbeanzeigen habe ich diese Woche in meinem Newsfeed gesichtet. #Politikads zur#ahv2020 sowie auch eine Anzeige zum Zürcher Stadtratswahlkampf 2018 (Hashtag noch nicht definiert).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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